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Artikel-Schlagworte: „prostituierte“

URTEIL: Prostituierte vergewaltigt: Bewährungsstrafe

Berlin – Ein 26-jähriger Mann ist am Montag vom Landgericht Berlin wegen Vergewaltigung und Körperverletzung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Freier wurde schuldig gesprochen, im Oktober vergangenen Jahres eine Prostituierte vom Straßenstrich in der Kurfürstenstraße in einem nahe gelegenen Park misshandelt und vergewaltigt zu haben.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte in einem “plötzlichen Anfall von Wut” der 27-Jährigen im Park gegen die Stirn schlug, sie an den Haaren zog und dann unter der wiederholten Drohung, sie umzubringen, gegen ihren Willen Sex mit ihr hatte. Den zuvor vereinbarten Preis für die sexuelle Dienstleistung habe er gar nicht bezahlen können, weil er nicht so viel Geld bei sich gehabt habe, hieß es im Urteil.

Als Passanten nahten, hatte das Opfer um Hilfe gerufen, so dass der Angeklagte floh. Ein Passant konnte ihn einholen und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Das Opfer blieb weitgehend unverletzt.

Im Prozess hatte der 26-Jährige die Tat gestanden. Der aus Rumänien stammende Mann war einen Monat vor der Tat nach Deutschland gekommen, um Geld zu verdienen, wie er sagte. Dies sei ihm aber nicht gelungen und er sei frustriert gewesen, hieß es im Urteil.

Quelle: berlinonline.de

Prostitution – Das Leben danach

Was macht eine Prostituierte, die den Job wechseln will? Sie spielt Lotto. Denn Umsteigen ist schwierig, wie das Beispiel einer Betroffenen zeigt.

Bordell im Kreis 4: Der Weg zum bürgerlichen Beruf ist weit.  Bild: Alessandro Della Bella

Bordell im Kreis 4: Der Weg zum bürgerlichen Beruf ist weit. Bild: Alessandro Della Bella

Der Lohn soll steigen, je länger man einen Beruf ausübt. So lautet eine ökonomische Faustregel. In Bordellen und am Strassenstrich verhält es sich gerade umgekehrt. Mit jedem vergangenen Monat verliert der Körper einer Prostituierten an Wert. Die höchsten Preise kann sie in jungen Jahren verlangen, spätestens ab 30 geht es bergab. «Erfahrung» oder «Sachkompetenz» zählen im horizontalen Gewerbe wenig.

Sonja Lentz* ist um die 45 Jahre alt und seit 30 Jahren im Geschäft. «Als ich jung war, machte ich in meinen besten Monaten bis zu 20’000 Franken.» Heute freut sich Lentz, wenn an einem Tag 100 rausschauen. «Und das kommt selten vor, das sag ich Ihnen.»

Sparen ging nicht

Dieses ökonomische Paradox, das auch Spitzensportler kennen, stellt Lentz vor ein fast unlösbares Problem. Gerne würde sie ihren Beruf aufgeben und sich selbstständig machen. Dazu bräuchte sie Geld. Geld, das sie nicht mehr verdient. Zwar reichen die Einnahmen noch, um sich und den beiden Kindern ein anständiges Leben zu finanzieren. Zu mehr aber nicht. «Etwas aufs Konto zu legen, liegt nicht drin.» Also steht Lentz weiterhin Nacht für Nacht auf den Trottoirs stark befahrener Strassen, was ihr Körper nicht mehr so leicht wegstecke wie früher.

Eine Pensionskasse hat Lentz keine, wie die meisten Prostituierten. Und das Sparen aus eigenem Antrieb hat nie geklappt. «Ich hatte das Geld, aber ich konnte nicht damit umgehen. Das habe ich nie gelernt. Alles ging weg. Für Reisen. Für Kleider. Und natürlich für meine Kinder. Ältere Kolleginnen haben mir gesagt, ich solle etwas auf die Seite legen. Aber ich . . .» Lentz senkt den Arm und macht ein Geräusch. Pffffff.

Das Sihlquai als Lohnkiller

Dafür, dass Lentz seit 30 Jahren eine aufzehrende Arbeit verrichtet, sieht sie erstaunlich jung aus. Die Haare trägt sie blondiert, die Nägel verlängert. Ihre Blicke krallen sich ins Gegenüber, sie hat die Haltung von jemandem, der auf der Lauer liegt, wachsam und angriffsbereit. Während des Erzählens macht sie weite Sprünge und landet stets beim gleichen Thema: dem Sihlquai.

Die Zustände auf dem Strassenstrich dienen ihr als Erklärung für die finanzielle Misere. Wenn Lentz vom Sihlquai spricht, steht sie auf, fuchtelt mit den Armen. Es seien die Ungarinnen, die den Markt ruinierten, zu tiefe Preise verlangten und Sex ohne Kondom anböten. «Blasen ohne Gummi für 40 Franken, das mach ich nicht, sorry!» Die Dumpingpreise hätten die Einnahmen von ihr und anderen älteren, eingesessenen Prostituierten einbrechen lassen. Das führe regelmässig zu Streitereien. Und verunmögliche, dass sie etwas Geld retten könne.

Als 15-Jährige angefangen

Sonja Lentz hat eine Prostituierten-Laufbahn durchlaufen, die man als typisch bezeichnen könnte. Als Kind vom Vater missbraucht, «obwohl mir niemand glaubte», von zu Hause abgehauen, in einem Heim gestrandet. Mit 15 verkaufte sie zum ersten Mal ihren Körper. Noch heute schwärmt sie von ihrem damaligen Zuhälter und Freund. «Leider ist er gestorben. Wie ein Vater hat er sich um mich gesorgt. Solche Männer gibt es heute keine mehr.» Auf einem Computer gibt sie seinen Namen ein, ein Schwarzweissfoto erscheint. Lentz wirft dem ehemals stadtbekannten Playboy einen wehmütigen Blick zu.

Lentz ist beim Beruf geblieben, den sie als Teenager ergriffen hat. Eine Lehre begann sie nie. «Warum auch? Ich war frei. Ich hatte Geld. Ich war glücklich.» Mit 28 gebar sie ihr erstes Kind, das sie «im Gegensatz zu vielen anderen Prostituierten» behalten hat. Bald kam noch ein zweites hinzu. «Ich will den beiden ein Leben bieten, das ich selber nie hatte.»

Auch wegen ihrer Kinder möchte Lentz den Beruf wechseln. «Sie haben keine Ahnung, womit ihre Mutter in Wirklichkeit das Geld verdient.» Um den Nachwuchs vor der Wahrheit zu schützen, hat Lentz ein fragiles Lügengebäude konstruiert. Je älter die Kinder werden, je mehr Fragen sie stellen, desto stärker wackelt es.

«Das Lügen macht mich fertig»

«Wenn sie von meinem Beruf erfahren, wäre das eine Katastrophe. Doch das ständige Lügen macht mich fertig.» Die Kinder sind es gleichzeitig, die Lentz das Aufhören erschweren. «Ich brauche 5000 Franken pro Monat. Sonst geht das nicht. Mit der Schule, den Sportferien, den Kleidern. Einen gewissen Standard muss ich garantieren.»

Lentz steht vor einer Sisyphusaufgabe: Sozialhilfe will sie keine. Ohne Lehrabschluss eine Anstellung mit 5000 Franken Lohn zu finden, ist fast aussichtslos. Und wenn sie die Frage nach ihrem Werdegang beantwortet, knallen die letzten Türen zu. «Sie können sich die Reaktionen vorstellen, wenn ich von meinem Leben erzähle.» Auch aus diesem Grund will sich Lentz selbstständig machen. «Ich denke an einen Gastrobetrieb oder etwas, das mit Kindern und Tieren zu tun hat.» 70’000 Franken brauche sie dafür, das habe sie ausgerechnet. Mehr nicht. «Nur 70’000.»

Es gäbe durchaus Möglichkeiten, dieses Geld zu verdienen. Sie könnte etwa, sagt Lentz, nicht nur ihren Körper, sondern auch Drogen anbieten. Manche Prostituierte ergänzten ihre Dienstleistungen mit einem Crack-«Pfeiflein». Ein solches steigere die Einnahmen beträchtlich. Ebenfalls gewinnsteigernd wirkte, wenn Lentz ihren Grundsatz «nur mit Kondom» lockern würde. «Aber ich will mich weder strafbar machen noch anstecken lassen.» Also warte sie weiter auf Freier, besuche Stammkunden und halte sich mit Koffeintabletten wach. Wie lange sie noch durchhalte, wisse sie nicht. «Mir bleibt nur das Lottospielen.»

* Name geändert

Die Hindernisse beim Aufhören

Es fehlen geeignete Jobs

Nur wenige Prostituierte bezeichnen ihren Job als Traumberuf, sagt Ursula Kocher, Leiterin der Beratungsstelle Flora Dora. Deshalb bilde das Aufhören in den Gesprächen ein ständiges Themas. Die Probleme gleichen denen, die Sonja Lentz beschreibt. Oft haben die Frauen keine Ausbildung, oft gelingt es ihnen nicht, zu sparen. Viele haben sich an Nachtarbeit und ein relativ komfortables Leben gewöhnt. «Die Begeisterung über eine Stelle als Putzfrau hält sich meist in Grenzen», sagt Kocher.

Für viele Frauen bedeute die Prostitution eine Übergangsphase, der Beruf belaste sie körperlich und psychisch, deshalb hörten sie relativ jung auf, sagt Kocher. Prostituierte über 40 seien in Zürich selten. Die älteren Frauen litten unter dem härter gewordenen Konkurrenzkampf, da die Ungarinnen den Altersdurchschnitt auf dem Strich gesenkt haben, sagt Ursula Kocher. Ein Vorteil der Älteren sei, dass sie oft langjährige Stammkunden pflegten.

Generell gilt die Regel: Je jünger und gesünder eine Frau, desto besser klappt das Umsteigen. «Wenn die Arbeitsbedingungen für Sexworkerinnen sicherer und menschenwürdiger wären, würden die Frauen weniger ausbrennen. Was den Berufswechsel erleichterte», sagt Doro Winkler von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ).

Aufhörwillige Prostituierte werden von Flora-Dora-Mitarbeiterinnen an verschiedene Stellen weitervermittelt: Brückenangebote, Praktika, Lehrstellen. Eine Erfolgsstatistik gibt es keine. «Aber wir hören immer wieder schöne Meldungen», sagt Ursula Kocher. «Kürzlich schwärmte eine Frau von ihrer neuen Stelle als Floristin.» Bei ausgestellten Berufen schwinge aber häufig die Angst mit, von ehemaligen Freiern wiedererkannt zu werden.

Innerhalb der Stadtverwaltung wurde in den letzten Jahren diskutiert, wie man Prostituierte beim Aussteigen besser unterstützen könne. Laut Kocher gibt es mittlerweile genug Beratungsangebote, aber zu wenig offene Jobs, die für die Frauen in Frage kämen. Auch das Gastgewerbe, in das früher viele Prostituierte gewechselt hätten, könne heute weniger Frauen aufnehmen. Ein strukturelles Problem sei die Berufsbezeichnung «Masseuse», die bei bei Migrantinnen im Ausländerausweis steht, sagt Doro Winkler. «Dieses Bezeichnung schreckt die meisten Arbeitgeber ab. Der Kanton sollte eine neutralere Formulierung finden.»

Wenn der Wechsel in einen bürgerlichen Beruf nicht gelingt, bleibt für Prostituierte nur der Gang zur Sozialhilfe. Wie viele Frauen dies jährlich betrifft, wird nicht ermittelt.

Quelle: tagesanzeiger.ch

K.O.-Tropfen und Prostituierte: Ex-Unternehmer vermisst Schmuck

Bild: Wodcika

Bild: Wodcika

RIED – Oberösterrerich. Ein Innviertler Ex-Unternehmer blieb am Freitag vor dem Landesgericht Ried bei seiner Aussage: Eine Prostituierte habe ihm K.O.-Tropfen verabreicht und ihm teure Uhren und Schmuck im Wert von 40.000 Euro geraubt. Die Ungarin wurde aus der U-Haft entlassen, muss sich bis zum nächsten Prozesstermin aber alle 14 Tage bei der Polizei melden.

Die Vorfälle liegen bereits fünf Jahre zurück. Die beschuldigte Ungarin, laut eigenen Angaben eine Prostituierte, wurde aber erst vor einiger Zeit ausfindig gemacht und in U-Haft gesteckt. Vor Gericht räumt die 25-Jährige ein, Uhren mitgehen haben zu lassen. Von Betäubungsmitteln will sie jedoch nichts wissen. Sie habe damals des öfteren mit dem Innviertler in dessen Wohnung verkehrt, auch sexuell. Und bei ihm genächtigt. Eines Nachts sei ihr spontan die Idee gekommen, die Wertsachen zu entwenden, während der Mann schlief. Von 40.000 Euro könne kaum die Rede sein. Zumindest habe sie beim Verkauf in Ungarn umgerechnet lediglich 480 Euro erhalten.

Betäubungsmittel im Energy-Drink

Laut Gutachten fanden sich in einer teilkonsumierten Energy-Drink-Dose und im Blut des Innviertlers Betäubungsmittelsubstanzen. Wie die Mittel in die Dose gelangten, könne sie nicht sagen, so die Verdächtigte. Sie habe mit dem Mann geschlafen und sich später während dessen Schlaf an den Uhren bedient. Der Mann hingegen behauptet, in Ohnmacht gefallen zu sein. Zum Sex sei es an diesem Abend nicht gekommen.

Zur Klärung der Betäubungsumstände will das Gericht den Gutachter eingehend befragen, die Verhandlung wurde vertagt. Auch ein Schmuckhändler soll befragt werden, um Aufschluss über den Wert von Uhren und Schmuck zu erlangen. Versicherungsbetrug ist jedenfalls ausgeschlossen, da die Gegenstände nicht versichert waren. Ob er gewusst habe, dass es sich um eine Prostituierte handelt, so der Richter zum Innviertler. „Ich hatte schon so den Verdacht. Ich habe sie unterstützt.“

Die Ungarn wurde jedenfalls enthaftet. Die Dauer der U-Haft stehe sinngemäß nicht in Relation zur zu erwartenden Strafe. Bis zum nächsten Prozesstermin muss sie sich alle 14 Tage bei der Polizei melden.

Quelle: nachrichten.at

«Ich frage mich eher: Welcher Mann geht nicht ins Bordell?»

Müssen nicht lange auf Freier warten: Prostituierte in einem Berliner Bordell.  Bild: KeystoneIn der Schweiz gibt es rund 10’000 Prostituierte. Mehr als jeder zweite Mann soll schon einmal deren Dienste in Anspruch genommen haben. Die Sexologin Esther Elisabeth Schütz findet daran nichts Schlimmes.

Frau Schütz, welche Merkmale haben Freier gemeinsam?
Es sind Männer. Und sie haben häufig eine starke Libido.

Das ist alles?
Im Prinzip ja. Ich bin schon lange als Sexualtherapeutin tätig und mit der Thematik gut vertraut. Dass ein Mann zu einer Prostituierten geht, kann immer vorkommen, unabhängig von Schicht, Bildung, Aussehen oder Alter.

Haben Freier nicht gewisse Charaktereigenschaften gemein?
Nein. Die einen zahlen nun mal für Sex, die anderen nicht. Jene, die zahlen, machen es sich womöglich etwas einfacher: Gegen Geld bekommen sie Sex, ohne etwas Weiteres dafür tun zu müssen. Es kann sein, dass einigen unter ihnen die nötige Verführungskompetenz fehlt, um mit geringem Aufwand im Ausgang eine Frau für einen One-Night-Stand zu gewinnen. Bei einer Prostituierten sind sie sicher, dass diese nicht noch mehr von ihnen will.

Schätzungsweise 70 Prozent aller Männer sollen einmal in ihrem Leben die Dienste einer Prostituierten in Anspruch genommen haben.
Diese Zahl erachte ich als realistisch. Ich frage mich manchmal eher, welche Männer das nicht schon getan haben. Und: Wie viel beichten es?

Sie sind erstaunt, dass nicht jeder ins Bordell geht?
Wenn man so will, ja. Theoretisch könnte das – aufgrund seines Mannseins – jeder tun. Gut, einer kann vielleicht seine Libido besser regulieren als der andere. Aber die Fantasie, mit einer fremden Frau zu schlafen, hat doch jeder.

Was suchen Männer bei Prostituierten? Das, was sie zu Hause nicht kriegen?
Das kann sein. Manche Männer empfinden das Vorspiel mit ihrer Partnerin als anstrengend. Eine Prostituierte geht ohne eigene Ansprüche auf ihre sexuellen Wünsche ein. Viele suchen die Spannung des Augenblicks, des Nichtvorhersagbaren, des Fremden, das sie als Erregungsquelle nutzen.

Ist die Hemmschwelle gesunken, eine Prostituierte aufzusuchen?
Nicht dass ich wüsste. Das ist doch seit eh und je so. Vielleicht hat die Bevölkerung zugenommen. Auch, dass der Strassenstrich in die Agglomerationen abwandert, kann etwas ausgelöst haben. Die geografische Distanz ist kleiner geworden. Zudem inspiriert die Vielfalt der sexuellen Angebote.

Kann man da noch von einem Tabu sprechen?
Ich habe in den Jahren als Sexualtherapeutin viel Verständnis dafür entwickelt, wie Menschen ihre Sexualität gestalten. Alle suchen das Glück in der Liebe und in der Sexualität. Es ist verständlich, dass es für eine Frau eine Riesengeschichte ist, wenn sie erfährt, dass ihr Mann ein Bordell besucht hat. Eine mögliche Hauptsorge der Frauen ist: Schützen sich die Männer und übernehmen sie Verantwortung für sich und ihre Partnerin?

Es ist also verständlich, wenn ein Mann in ein Bordell geht, er soll es aber ja nicht beichten?
Er muss es mit sich verantworten können. Und er muss sich vor allem vor einer Ansteckung schützen. Ich habe mit Klienten in der Sexualtherapie schon Riesendramen erlebt, weil der Mann zu Hause erzählt hat, dass er einmal fremdgegangen ist. Die darauffolgende Krise konnte schon mal zwei Jahre dauern. Da muss man sich fragen: Soll ich es beichten und das Drama überstehen oder besser schweigen und die Energie in die Liebesbeziehung investieren? Wenn ein Mann häufig ein Bordell besucht, ist das etwas anderes, dann stimmt in der Beziehung auf der sexuellen Ebene logischerweise etwas nicht.

Wann kann es ratsam sein, ein Bordell zu besuchen?
Ich habe das zwar noch nie jemandem geraten. Aber ich rege das Gespräch auf dieser Ebene an. Etwa wenn ein 40-Jähriger Mann noch nie mit einer Frau geschlafen und deswegen einen unheimlichen «Knorz» hat.

Das kann helfen?
Es kann ihm das Selbstverständnis geben, dass er funktioniert.

Egal, wohin er geht?
Nein, im Gegenteil, selbstbewusste Männer wählen immer!

Worauf sollten sie achten?
Für mich als Sexologin wäre eine gute Adresse eine, welche garantiert, dass die Prostituierten sich schützen und sich regelmässig medizinisch untersuchen lassen. Und wo sie zu kontrollierten guten Bedingungen arbeiten können. Arbeitsbedingungen, welche sie vor Gewalt und Ausbeutung schützen. Beim Kauf von Bananen garantiert Havelar, dass die Arbeiter zu fairen Bedingungen ihren Lebensunterhalt verdienen. Ein Label für Fair-Trade-Sex könnte ebenso gute Arbeitsbedingungen für Prostituierte sichern.

Nicht selten schenkt der Vater seinem 18-jährigen Sohn einen Besuch im Bordell.
Es liegt nicht am Vater, den Sohn in die Sexualität einzuführen. Die Sexualität führt in die Ablösung und die Autonomie. Deshalb ist es Sache des Sohnes, wie und mit wem er seine Sexualität lebt.

Was, wenn junge Männer sich nicht trauen, eine Frau anzusprechen?
Das ist tatsächlich ein neues Phänomen, es kommen zunehmend junge Männer zu mir in die Sexualtherapie, um die 18 Jahre alt, die zwar sehr einfühlsam sind, aber sich nicht mehr trauen, eine Frau anzusprechen oder bereits Erektionsprobleme haben. Da frage ich mich, inwieweit Mütter und Väter ihre Söhne in der Kindheit genug in ihren Fähigkeiten unterstützt haben, ihre männliche Potenz zu entwickeln.

Kommt es vor, dass sich ein Freier in eine Prostituierte verliebt?
Das dürfte die Ausnahme sein. Der Geschäfts-Charakter sorgt für eine gewisse Abgrenzung. Es gibt Freier, die immer zur gleichen Dirne gehen. Manchmal kommt es neben dem Sex sogar zu einem guten Gespräch wie mir manche Klienten erzählen.

Quelle: Berner Zeitung / Netznews, Interview von Reto Hunziker

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